„Hetzer“ feuern oder andere Wege suchen?


„Endlich tut sich mal was!“ mag sich so mancher von euch denken, wenn wieder jemand wegen seiner homophoben, oder „hetzerischen“* Kommentare bei Facebook oder anderen Plattformen seinen Job verloren hat.
Kaum einer fragt aber, ob das hätte wirklich sein müssen und ob es nicht andere Wege gegeben hätte.
Aktuell läuft es bekanntermaßen so ab, dass jemand, wie z.B. enough is enough einen Kommentar findet und u.A. dem Arbeitgeber meldet.
Gefühlt sind manche Arbeitgeber mit der Frage, wie man mit einem solchen Menschen umgehen soll, überfordert und gehen den Weg des geringsten Widerstands: der Kündigung. Schließlich können solche Kommentare auch dem Ruf des Unternehmens schaden.
Allerdings wird jemand, der wegen eines Kommentars seinen Job verloren hat, sein Verhalten kaum ernsthaft reflektieren. Im Gegenteil er sieht sich dadurch in seiner „Meinung“ womöglich bestätigt, weil man wegen „denen“ ja tatsächlich den Job verloren hat. Dass diese Spirale sich dann immer weiter dreht, bis die Leute endgültig nach rechts umfallen, muss wohl kaum erwähnt werden.
Wir brauchen Aufklärung!
Hier kommen die Unternehmen ins Spiel, die meiner Meinung nach auch einen Teil zur Gesellschaft beitragen.
Statt ängstlich vor dem Shitstorm zu stehen und die Kündigung auszusprechen, weil diese am wenigsten Ärger macht, gibt es noch mehr Möglichkeiten.
Klar, ein Gespräch mit der Personalführung ist definitiv fällig und in schlimmen Fällen, wie Morddrohungen etc. bleibt auch hier die Kündigung das Mittel der Wahl. Aber auch in einem solch schlimmen Fall macht es mMn Sinn, den Leuten klar zu machen, dass sie zu weit gegangen sind, ihnen aber zugleich Hilfe z.B. über ein Aussteigerprogramm an die Hand zu geben. Die Folgen der strafrechtlichen Seite haben diese Menschen in dem Fall dennoch zurecht zu tragen. Denn alles hat seine Grenzen.
Was aber, wenn der Personaler statt die Kündigung auszusprechen und z.B. bei Auszubildenden einen Streetworker oder einen LGBT Verband hinzuzieht?
Bei rassistisch motivierten Kommentaren könnte man es z.B. zur Auflage machen, dass der Auszubildende eine Woche mit dem Streetworker bzw. Sozialarbeiter hunterwegs ist und ein Flüchtlingsheim besucht. Er mit den Flüchtlingen arbeitet, mit ihnen redet und die Hintergründe der Flucht, aber auch von der völlig fehlgeleiteten Politik der Bundesregierung erfährt. Einfach mal die Schicksale sieht, über die er gehetzt hat. Wenn Menschen auf engstem Raum mit kaum Möglichkeiten für Hygiene zusammengepfercht sind, ist das wohl kaum die Schuld der Menschen, die dort auf so engen Raum leben müssen.
Ähnlich könnte man auch mit homophoben Kommentaren agieren. Als Unternehmen einfach mal auf Verbände, wie den LSVD o.Ä. zugehen und sich beraten, wie man für mehr Aufklärung im Unternehmen sorgen kann. Dort gibt es auch Leute, die mit den Betroffenen über die Schicksale und Schwierigkeiten von LGBT Menschen reden und aufklären können. Ich nenne hier mal exemplarisch das Projekt SchLau, welches in Schulen für Aufklärung sorgt. (http://www.schlau-rlp.de/uber-schlau)
Sollte es danach immer noch nicht funktionieren, kann und sollte weiterhin die Kündigung ausgesprochen werden.
Ich würde jedoch zuerst die Aufklärung wählen. Es gibt tatsächlich Menschen, die von Vorurteilen geprägt sind und nach diesen handeln. Leute, die der BLÖD Hetze aufgesessen sind. Lasst uns die Vorurteile abbauen! Lasst uns dafür sorgen, dass die Menschen über die Hintergründe aufgeklärt werden!
Und wer weiß, vielleicht hilft es dem Image einer Firma mehr, wenn bekannt wird, dass man auf Aufklärung statt plumpen Rauswurf reagiert? Es gibt schließlich auch Firmen, die Programme haben, um z.B. Alkoholkranken zu helfen, aus der Sucht zu kommen. (Wehe, jemand kommt jetzt auf die Idee Nazis mit Suchtkranken zu vergleichen! 😉 )

 

*hetzerisch: damit sind Kommentare, wie sie die BLÖD regelmäßig absondert gemeint. Sachen, die mit der Strafgesetzgebung unvereinbar sind, sprich z.B. den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen sind damit NICHT gemeint.

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