Daten schützen, oder Daten nutzen?


Der Datenschutz. In Anbetracht der immer weiter ausufernden Überwachungsphantasien und leider auch deren Umsetzungen, ein sehr wichtiges Thema.

Viele Menschen wollen nicht, dass ihr Surfverhalten und sei es nur für Werbezwecke, wie bei Google Chrome, oder Telefonierverhalten, sprich, wer hat wen wann angerufen etc. protokolliert und ausgewertet wird.

Oder, dass Bewegungsprofile erstellt werden, damit die Behörden immer wissen, wer wann wo war.

Für mich waren unter anderem genau diese Überwachungssysteme der Grund politisch aktiv zu werden, da ich mich im Umfeld der IT bewege und behaupte, eine ungefähre Ahnung zu haben, was man mit solchen Daten alles anstellen könnte.

Die Partei, bei der ich Mitglied wurde setzt sich schon immer für Datenschutz, aber auch für den mündigen Bürger ein. Somit kommen wir auch zu dem Grund für diesen Blogpost.

Denn gestern wurde ein Bild veröffentlicht, dass Spieler des gerade sehr angesagten Spiels Pokemon Go als willenlose Datenzombies darstellt mit dem Hinweis, dass dieses Spiel u.A. Bewegungsprofile etc. erstellt.

Nun für mich hat das Spiel viele Kritikpunkte. Der Datenschutz kommt jedoch auf einem der allerletzten Plätze.

Wichtiger fände ich z.B. darauf hinzuwirken, dass die Menschen auf ihre Umgebung achten und Straßen frei halten, oder, dass sie dabei nicht mit dem Auto fahren, oder auch auf Ampeln aufpassen. Vielleicht auch eine Schnittstelle für Behörden, dass z.B. diese gefährlichen Stellen melden können, dass dort vielleicht gar keine Pokemon etc. mehr auftauchen. Oder, dass man z.B. mehr Pokemon an Einkaufsmöglichkeiten erscheinen lässt. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Dass das Spiel auch GPS Daten sammelt, ganz ehrlich? Geschenkt! Das Spiel basiert schließlich darauf, dass Menschen sich nach draußen begeben und bestimmte Orte aufsuchen.

Doch zurück zur heiligen Kuh, dem Datenschutz. Das Posting meiner Partei zeigt meiner Meinung nach, dass wir ein Problem haben. Wir haben nämlich das Gleichgewicht zwischen Datenschutz und dem mündigen Bürger in ein deutliches Ungleichgewicht gebracht.

Dafür werden wir zu Recht kritisiert. Ihr erinnert euch noch an die Grünen und ihr Thema dem Umweltschutz? Man, was haben wir diese Leute ausgelacht, als sie sich gegen Handymasten und Computer gestemmt haben, weil sie fies strahlen und ganz schlimme Technologie sind.

Leider sind wir nicht besser. Bei jeder Neuerung, die auf den Markt kommt, wird gleich die ganz große Keule rausgeholt und verteufelt, was das Zeug hält.

Eine Außeinandersetzung mit den Chancen vs. Risiken der Technologie? Fehlanzeige!

Ich bringe mal ein fiktives Beispiel eines smarten Fahrradhelms (falls das wer liest und einen solchen Helm rausbringen will, ich nehme einen). Nehmen wir an, eine Firma bringt einen intelligenten Fahrradhelm heraus. Dieser Helm verfügt über einen Akku, hat Bluetooth für Kopfhörer, die es als Zubehör gibt, er hat ein GPS Modul und er kann mit der Welt kommunizieren. Na, bei wem von euch klingeln schon die „DATENSCHUTZ!!!!!!!“ Glocken?

Nun ist das GPS Modul und die Kommunikationsmöglichkeit nicht aus Trackinggründen integriert, sondern aus Sicherheitsgründen. Stürzt der Fahrer aus welchem Grund auch immer, bekommt das der Helm mit und löst einen Alarm aus. Wird dieser Alarm, der akustisch und optisch dargestellt wird, nicht in einem bestimmten Zeitraum abgestellt, wird ein Notruf abgesetzt und die GPS Koordinaten mitgeteilt.

Als jemand, der täglich mit dem Rad zur Arbeit fährt, würde ich einen solchen Helm sofort kaufen, weil mir meine Sicherheit wichtiger ist, als Datenschutz.

„Aber was, wenn der Helm deine Strecken verfolgen kann?!“ Sofern ein Schalter o.Ä. vorhanden ist, um Tracking ein- und auszuschalten, fände ich das sogar eine gute Sache. Ich fahre nämlich auch Mountainbike. Dabei bin ich oft auf diversen Strecken im Wald unterwegs und merke mir selten, wie ich gefahren bin und könnte es erst Recht niemandem erklären. Wenn ich hier eine tolle Strecke finde, möchte ich diese gerne mit ebenfalls Mountainbike fahrenden Freunden teilen.

Man sieht, es ist gar nicht so einfach mit Datenschutz und sinnvollem Nutzen.

Ich finde auch Healthtracker durchaus sinnvoll. Sofern sie entsprechend abgesichert sind, dass sichergestellt ist, dass die Daten soweit, wie möglich abgesichert sind. Ja, 100% Sicherheit gibt es nie, aber man kann sich dem annähern.

Denn was ist mit der alleine lebenden Oma? Ihr Leben könnte mit Healthtrackern durchaus aufgewertet und verbessert werden, wenn entsprechend früh vor Verschlechterungen des Gesundheitszustands gewarnt wird und sei es nur, dass die Kinder/Enkel informiert werden.

Das größere Problem bei Healthtrackern sehe ich bei Krankenkassen, die womöglich sagen könnten „nutzt die Tracker, gebt uns eure Daten und ihr bekommt einen Rabatt“ damit hätte ich definitiv ein Problem.

Auch damit, wenn man sich z.B. wie bei der Vorratsdatenspeicherung nicht entziehen kann, sprich keine Wahl hat, ob und wem man seine Daten gibt.

Zusätzlich wünsche ich mir noch eine Klausel, die auch wirklich Zähne hat, dass man immer und jederzeit alle seine Daten bei den Anbietern löschen lassen kann, wenn man dies möchte. Und zwar nicht auf ewig lange Anfrage, sondern direkt in den Optionen der Apps/Webseiten.

Denn es geht mir um den mündigen, selbstbestimmten Bürger. Wenn jemand seine Daten herausposaunen möchte, so sollte er das tun können. Es ist seine freie Entscheidung.

Wichtig sollte sein, dass der mündige Bürger soweit aufgeklärt wird, dass er weiß, was mit seinen Daten möglicherweise passieren könnte und selbst Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen kann.

Lasst uns die permanente Bevormundung gegen Aufklärung und eigene Wahl tauschen.

Lasst uns Infostände mit Lockmodulen und Freifunk machen. Lasst uns mit den Leuten ins Gespräch kommen und lasst uns endlich weniger alles Neue verteufeln!

 

UPDATE:

Da dieser Tweet gerade durch meine Timeline fliegt.

Cool: Weil sich in der Blutspendeabteilung eines Dortmunder Krankenhauses ein Pokéstop befindet, ist dort die Zahl der Spenden gestiegen

Genau das war gemeint mit „schaut euch an, was die Technologie für uns tun kann statt sie direkt zu verteufeln.“ Wir müssen neue Wege finden, die Menschen dazu zu animieren, etwas gutes zu tun. Blutspenden ist leider nicht sexy, Pokemon dagegen schon.

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