Niemanden interessieren unsere Themen


Über diesen Blogpost habe ich schon längere Zeit nachgedacht. Weil wir den ein und denselben Fehler immer und immer wieder machen. Da überrascht der Vorwurf, den wir von Politikwissenschaftlern gemacht bekommen, wir hätten keine für die Wähler interessanten Themen, leider gar nicht.

Der wahre Kern dieser Aussage ist, dass wir nicht weit genug denken. Dass wir die Arroganz besitzen, zu glauben, alles besser zu wissen. Uns nicht damit befassen wollen, was die Menschen interessiert, sondern allem unsere Schablone aufdrücken wollen. Ich erinnere einfach an meinen letzten Blogpost zum Thema Datenschutz vs. Daten nutzen.

Wisst ihr, wie wir in unserem Kreis den Erfolg geschafft haben? Wir haben das gemacht, was die Etablierten in einem solchen Fall normalerweise machen: Informieren, nachdenken und aus dem Ergebnis ein Konzept entwickeln, eine Kampagne darauf aufbauen und es durchziehen.

Wenn die Hauptverkehrsader der Region abgerissen wird und zig tausende von Menschen nicht wissen, wie sie die nächsten Jahre (ich tippe locker auf mindestens 10 Jahre) zur Arbeit, oder zum einkaufen kommen, interessiert die Leute das BGE leider herzlich wenig, auch, wenn das Anliegen meine volle Unterstützung hat.

Wir haben uns voll auf das Thema fahrscheinloser ÖPNV konzentriert und es entsprechend bei Gesprächen mit Interessenten oder Presse einfließen lassen. Da ist eine Veranstaltung zum Thema, wie es mit der Hauptverkehrsader weitergehen soll? Hin da! Und wir haben darauf gepfiffen, dass das Thema bei sehr vielen Piraten höchstens eine Randnotiz und keines der hochheiligen Kernthemen ist. Es war und IST das Thema, dass die Leute hier lokal am meisten interessiert!

Politik ist, zumindest für mich, nichts anderes, als Strategie. Ja, nennt mich berechnendes Arschloch, es wird nichts an meiner Einstellung ändern.

Wir müssen an den Punkt kommen, an dem wir Themen aufgreifen, die die Menschen bewegen, bei denen sie sich eine Lösung erhoffen. Uns hinstellten und für ein von uns konstruiertes Problem, das zufällig was mit unserem heiligen Kalb, den „Kernthemen“ zu tun hat, Lösungen anzubieten, also bitte …. damit holen wir keinen halben Floh hinterm Ofen hervor.

Das Thema Transparenz zum Beispiel. Jede Partei nutzt es. Aber niemand weiß wofür es steht. Ich unterstelle sogar, dass wir, die den Begriff in die etablierte Politik getragen haben, selbst auf keinen klaren Nenner bei der Definition von Transparenz kommen. Das Thema interessiert vielleicht lokal Menschen. z.B. wenn es darum geht, wie eine Bankenfusion im Detail abgelaufen ist und warum die eine Seite quasi alle Gewinne und die andere Seite alle Schulden bekommen hat. Aber die Leute in der Stadt, in der ich lebe, interessiert es einen feuchten Furz, dass da irgendwo ein Nürburgring ist, bei dem Gelder verschwunden sind etc. dieses Thema muss von den Leuten und Kandidaten vor Ort bearbeitet werden, damit können wir nichts gewinnen.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt. Ich bin der Meinung, dass wir kein Thema so gut und so wichtig verkaufen können, dass wir damit eine landes- oder gar bundesweite Kampagne darauf aufbauen können. Dafür sind unsere Themen zu nischenorientiert. Was übrigens nichts schlimmes ist. Ja, Themen, wie TTIP oder CETA sind wichtig. Ja, es ist wichtig, dass alle wissen, dass wir dagegen sind. Darauf aber eine Wahlkampagne aufbauen, nein, das würde ich nicht machen. Denn es ist trotz seiner Auswirkungen nur ein kleiner Personenkreis, den es interessiert. Damit gewinnen wir keine Wahl.

Da wir mMn kein landes- bzw. bundesweit nutzbares Kampagnenthema haben, außer, es passiert noch ein ganz schlimmer Skandal, sollten wir eine andere Strategie fahren.

Die Regionen, in denen wir Piraten, oder gar Kandidaten haben, müssen schauen, welche Themen die Menschen in der Zukunft interessieren werden. Wir können gerne eine unkonventionelle Lösung anbieten, ich bitte übrigens sogar darum, denn beliebig haben wir schon genug, aber bitte greift Themen auf, die von Interesse sind.

Wir haben ein sehr umfangreiches Programm. Da lässt sich richtig viel daraus machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.