Katastrophenschutz im digitalen Zeitalter? Träumt weiter!


Wie einige meiner Follower auf Twitter mitbekommen haben, kam es heute in der Stadt, in der ich wohne und arbeite zum Katastrophenfall. Genauer, es kam zum Austritt von Ammoniak. Sowohl meine Arbeitsstelle, als auch meine Wohnung waren im unmittelbaren Gefahrengebiet.

An dieser Stelle ein dickes Lob an die Macher von Katwarn. Ich habe tatsächlich via App zuerst davon erfahren und konnte meine Kollegen informieren, dass sie sich nach drinnen begeben und die Türen und Fenster geschlossen werden.

Leider muss ich hier schon aufhören mit loben. Was danach kam, war nunja, eher mittelmäßig und leider so gar nicht zeitgemäß.

Im späteren Verlauf gab es dann auch von den Socialmediaaccounts der Stadt, sowie der Polizei entsprechende Tweets mit Warnungen und Hinweisen.

Es folgt eine Liste.

Die Kommunikation:

Ich habe via Twitter mehrfach um weitere Informationen gebeten, weil ich mich zu dem Zeitpunkt im direkten Katastrophenpunkt befand. Antworten habe ich keine bekommen.

Ein Kollege von mir hat, unmittelbar nachdem er die Warnung von Katwarn erhalten hat, die in der App angegebene Hotline angerufen, da er sich dort Informationen erhofft hatte. Leider war die Hotline nicht geschaltet.

Die Karte der Katwarn App:

Nachdem die Meldung in der App aufgetaucht ist, wollte ich natürlich genau sehen, welches Gebiet betroffen ist. Die Katwarn App bietet auch eine Kartenfunktion. Leider ist diese mangelhaft. Meine Versuche das Gefahrengebiet genau zu erfassen scheiterten an der Zoomfunktion der App. Zoomt man hinein und lässt nur kurz los, um weiter zoomen zu können *zack* springt die Karte wieder in die Ursprungsansicht. Bitte nachbessern. Kurzes Update zur Karte: @nicoduck hat mich eben darauf hingewiesen dass die Karte keine Warnung für den Donnersbergweg hatte, der Bereich drum herum aber schon.

Die Webseite der Stadt:

Die Stadt Ludwigshafen hat ein entsprechendes Modul, um auf Katastrophen etc. direkt auf der Startseite prominent hinzuweisen. Folgte man dem Link gab es leider nur einen üblichen 0815 Text. Keine wirklichen Informationen. Lediglich die Info, man möge das Gebiet weiträumig umfahren.

Weiträumig umfahren:

Durch die Straßensperren kam es natürlich, wie zu erwarten, zu einem größeren Stau. Ein Stau, der vielleicht nicht vermeidbar, aber deutlich milderbar gewesen wäre. In dem man z.B. Schnittstellen in Navigationssystemen, sofern vorhanden, genutzt hätte. Ich kenne mich zugegeben nicht sonderlich gut mit Navigationssystemen aus, aber zumindest für Stau gibt es bereits Schnittstellen. Für den Katastrophenfall sollte es diese Schnittstellen ebenfalls geben. Wenn nicht, bitte schleunigst einen Standard dafür definieren und implementieren! Denn wie der Verkehr umgeleitet und wo gesperrt wird, ist den Behörden bekannt. Moderne Navigationssysteme suchen sich einen Weg drumherum und schlagen alternative Routen vor. Mein Test mit Google Maps ist jedenfalls fehlgeschlagen. Man wollte mich direkt durch den gesperrten Bereich lotsen.

Ich habe im vorherigen Abschnitt die Webseite der Stadt erwähnt. Hier könnte man z.B. Google Maps, oder, wenn man es in offener Lizenz will, Open Streetmap einbinden und die Sperrung hervorheben. Selbst ein Screenshot mit kurz in Paint gemalter Sperrung wäre hilfreich gewesen. Ich wusste als Anwohner jedenfalls nicht, ob ich überhaupt nach Hause komme.

Fenster und Türen geschlossen halten und das Fahrrad:

Die Warnung bzgl. Fenster und Türen geschlossen halten sind definitiv sinnvoll. Gerade bei giftigen Gasen, wie z.B. Ammoniak.

Was mir bei der Umleitung des Verkehrs etc. gefehlt hat, waren mögliche Routen für Fahrradfahrer. Ein Fahrrad hat im Gegensatz zu einem Auto keine Fenster, die man schließen und Gase draußen halten kann. Hier hätte ich mich über Informationen gefreut, wie man als Fahrradfahrer am sichersten durch das Gebiet kommt. Nur, weil da Autos durchgeleitet werden, muss das nicht heißen, dass es für Fahrradfahrer ungefährlich ist.

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