Dürfen andere für mich sprechen?


Da ich gefragt wurde, wie ich zum Thema „Dürfen andere für mich sprechen“ stehe und die Antwort sicherlich auch für Nichttwitterer interessant sein könnte, hier meine Sicht dazu.

Zunächst einmal gilt es, das Prinzip der Selbst- und der Fremdbestimmung zu verstehen. In kurz: Wenn Person X sich z.B. als Schwuchtel bezeichnet, da er als Mann auf andere Männer steht, ist das ok. Der Begriff wurde selbstbestimmt gewählt. Nicht ok ist, dass andere eben Person X, oder weitere Männer, die auf Männer stehen, als Schwuchtel bezeichnen. Das wäre die Fremdbestimmung.

Und nun sind wir auch schon bei der Problemstellung.

Darf man überhaupt über jemanden oder gar eine Personengruppe sprechen, der man nicht angehört, oder ist das per se Fremdbestimmung? Man darf! Wenn auch es hier ganz klare Regeln zu beachten gilt.

Rechte und die Konsensfrage:

Solange man der Person oder der Personengruppe zu mehr Rechten, z.B. der #EheFürAlle oder Aufhebung des Blutspendeverbots verhelfen möchte, und man weiß, dass es Konsens in der Community ist, geht das mMn durchaus in Ordnung. Das setzt allerdings voraus, dass man sich mit dem Thema befasst und mehr, als eine Quelle betrachtet hat. Abwertend oder die Rechte beschränkend sprechen geht dagegen gar nicht.

Auch gilt „Wenn ich mir unsicher bin, halte ich die Klappe, verweise an jemanden mit Ahnung, oder verschiebe die Antwort auf später mit dem Verweis, dass ich mich selbst nochmal detailliert schlau machen werde.“

Um die eigene Unsicherheit zu beseitigen gibt es meist Anlaufstellen, sprich offizielle Organisationen/Vereine etc.

Im Queerbereich gibt es z.B. den LSVD, SCHLAU oder Webseiten, wie Queer.de um sich eine Meinung über einen möglichen Konsens, oder nicht Konsens der Community zu machen.

Ein Beispiel, wie es laufen könnte, haben die CSD mit den Piraten gezeigt. Vor einigen Jahren habe ich mal auf einem Blog den Spruch „Homophobie is voll schwul!“ aufgeschnappt. Damit habe ich mir ein T-Shirt drucken lassen und auch die Aufkleber mit diesem Spruch sind der absolute Renner. Nun gab es ein paar Piraten, die einen Stand zum CSD veranstaltet haben. Genau der Aufkleber mit diesem Spruch hat gefehlt! Auf meine Nachfrage habe ich die Antwort erhalten, dass man den Spruch für ggf. Homophob bzw. beleidigend empfinden könnte und man sich daher entschlossen hat, ihn lieber nicht einzusetzen. Bin ich diesen Piraten deswegen böse? Nein! Denn sie haben sich Gedanken gemacht und nach dem Credo gehandelt im „Zweifelsfall Finger weg“.

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